Chillen in Cilli - Enricos Reisenotizen

Enricos Reisenotizen

Reisen, Reisen, Reisen, andere Länder und Menschen kennen lernen. Wir berichten über unsere ganz persönlichen Reiseerlebnisse und laden Sie ein mit uns neue Destinationen zu entdecken
Schriftgröße: +

Chillen in Cilli

Chillen in Cilli

Von der österreichischen Steiermark kommend beginnt unser Ausflug in das untere Sanntal in Cilli, slowenisch Celje (Autobahnabfahrt Celje Center). Vorbei an der üblichen Vorstadtarchitektur mit Einkaufszentren und Autohäusern geht es in das kleine Zentrum der Stadt. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass der deutsche Name „Zilli" und nicht „Tschilli" ausgesprochen wird, wie wir es schon öfters hörten. Vor hundert Jahren wäre das kaum passiert, nicht weil das beliebte Gewürz in mitteleuropäischen Haushalten eher unbekannt war, sondern weil Cilli einer jener Brennpunkte des Kampfes der österreichischen Nationalitäten war, der auch in der überregionalen Presse Erwähnung fand. Die Auseinandersetzung um die Unterrichtssprache in der Unterstufe des hiesigen Gymnasiums brachte (vordergründig) sogar eine österreichische Regierung zu Fall.

Die Burg Obercilli (Foto © Norbert Eisner)

Heute ist Cilli eine nettes steirisches Städtchen – und eine eigene „ ask-enrico "-Geschichte wert. Das Attribut steirisch ist keine altösterreichische nostalgische Anmaßung. Die untersteirischen Slowenen fühlen und bezeichnen sich selbstverständlich auch als Steirer, Štajerci . Sie haben eine ebenso ausgeprägte Landesidentität wie die österreichischen. Und die Skepsis der Untersteirer gegenüber Laibach kann mit den Vorbehalten der österreichischen Provinz gegen Wien durchaus mithalten. 

Die Altstadt von Cilli liegt rechts der Straße, dem eleganten Bahnhof der Südbahnlinie Wien – Triest gegenüber. Dieser kann ebensowenig wie die Post seine k.u.k. Herkunft verleugnen. Vertrautes, wohin man blickt – bis auf eines: das ehemalige Deutsche Haus, heute Celjski dom. Die erste Assoziation ist hier Disneyland und nicht Altösterreich. In der aufgeladenen nationalen Stimmung der Vorkriegszeit sahen die deutschsprachigen Cillier das freilich anders: „ Vor uns steht das Kleinod der Cillier, das mit einem stattlichen Turm geschmückte Deutsche Haus, ein bewundernswerter Prachtbau mit vornehm eingerichteten Gesellschafts- und Fremdenzimmern und einer guten Gastwirtschaft. Kein Deutscher, der nach Cilli kommt, darf es versäumen, das Deutsche Haus aufzusuchen ." 

Heute darf man das getrost tun. Das Gegenstück zum Deutschen Haus, das ehemalige Slowenische Volkshaus und jetzige Rathaus, steht am Trg Celjskih knezov, also am Platz der Grafen von Cilli. Es macht in seinem Neorenaissance-Gepräge einen weit freundlicheren Eindruck und dort gibt es auch ein nettes stylisches Kaffeehaus. Serviert wird, wie wohl vor hundert Jahren auch, Meinl-Kaffee . Die netten Cafés sind in der letzten Zeit in Cilli nur so aus dem Boden geschossen. Vielleicht liegt es daran, dass die meisten Gassen und Plätze der Altstadt saniert wurden. Es ist chillig oder, konservativer ausgedrückt, gemütlich und anheimelnd, einen Kaffee (italienischer Güte) oder einen Špricar in der Herrengasse (Gosposka ulica) oder am Hauptplatz (Glavni trg) zu trinken.

Wunderschöne Landschaft (Foto © Norbert Eisner)

Anheimelnd ist auch die Umgebung der Stadt an Sann (Savinja), Wogleina (Voglajna) und Dornbach (Koprivnica). Die Burg Obercilli (Celjski grad), der Josefiberg mit seiner doppeltürmigen Kirche, die malerische Kapuzinerkirche und die Nikolaikirche am anderen Sannufer, der Stadtpark, dessen Wege sich bis auf den Steirerkogel ziehen – in der Stadt ließe es sich durchaus länger aushalten. Bis die „ask-enrico"-Geschichte über Cilli erscheint, sei Besuchern der Stadt das Buch „ Reisen in der Untersteiermark. Geschichte. Routen. Gastlichkeit " empfohlen (zoppelberg Verlag 2011). 

Apropos Gastlichkeit: In Cilli isst man beim Francl. Das gutbürgerliche untersteirische Gasthaus befindet sich am linken Ufer der Sann im Ortsteil Schlossberg (Zagrad). Der Namensgeber war vor über hundert Jahren Kellner in einem der Cillier Cafés und wurde in guter altösterreichischer Tradition „ Franzl " gerufen. Als er sich mit seinem Wirtshaus selbstständig machte, hat er seinen Rufnamen auf das neue Lokal übertragen. Sein Gasthaus wurde ein voller Erfolg. Man ging gerne zum „ bekannten Gasthause Franzl in dessen schattigen Garten bei freundlicher, aufmerksamer Bedienung sichs wohl ruhen läßt. " Manches ändert sich zum Glück nie. Nach dem Essen bietet sich ein kleiner Verdauungsspaziergang an, der nur wenige Hundert Meter hinter dem Gasthaus mit einem wunderbaren Blick auf die Burg der Cillier Grafen belohnt wird. Die Burg hat zwar bei Weitem nicht die Ausmaße der Zipser Burg in der Nordslowakei macht auf uns aber einen ähnlich mystischen Eindruck, so wie die Berge rund um die Stadt: „ In Cilli hatten die Berge Gesichter gehabt; bei einem sah man ganz deutlich Stirn, Nase und Lippen und ein felsen­graues Auge… " Wir sind sicher, Sie entdecken diesen Berg. 

Im Sommer können Sie auch einen Sprung in die warme Sann wagen. Die schöne alte Badeanlage gibt es zwar nicht mehr, aber dafür herrscht im Kreis der Cillier Studenten am Ufer der Sann eine lockere Atmosphäre. Das Bad im Fluss war eine Empfehlung aus einem unserer alten Reiseführer. Flussbäder in der Sann wurden dort „wegen des starken Wellenschlags" empfohlen. Schließlich sei ihre „roborierende Wirkung" mit einem Bade im Meer vergleichbar. Wir verzichten darauf, google zu bemühen und nach der Bedeutung einer roborierenden Wirkung zu suchen. Stattdessen folgen wir weiter den Anweisungen unserer Reisebegleiter. Auf diese scheint, wie wir feststellen konnten, Verlass zu sein. Wir verlassen Cilli, wegen seiner Sannquellen das „ fließende Gastein " genannt, und sind gespannt, was uns nun erwartet: „ Kein Fremder, der nach Cilli kommt, sollte es versäumen, eine Fahrt nach dem Badeorte Tüffer zu unternehmen ."

Tüffer (Laško): Das kaiserliche Bad

Auf geht's nach Tüffer! Wir fahren durch das untere Sanntal. Die Sann kennen in Österreich nur mehr Wenige, vielleicht mit Ausnahme der Grazer. Die allegorische Gestalt des Flusses ist eine der vier Bronzeflussfiguren des Erzherzog Johann-Brunnens am Grazer Hauptplatz. Der weibliche Reliefkopf zeigt das Attribut der Sann – das Heilbäderwesen. Das Sanntal möchten wir Reisenden wärmstens empfehlen oder mehr noch, dringend ans Herz legen. Vom hochalpinen Ursprung des Flusses in den an bizarren Formen so reichen Sanntaler Alpen über die mit Hopfen bepflanzte Ebene rund um Sachsenfeld (Žalec) bis zur Mündung in die Save bei Steinbrück (Zidani most) – das Sanntal ist eines der abwechslungsreichsten und schönsten Flusstäler der Alpen. Das gilt besonders für den unteren Teil des Tals, wie schon der aus München stammende Reiseschriftsteller Heinrich Noë wusste: „ Von Cilli bis zur Save ist eine Fülle landschaftlicher Schönheit. Mit Recht preist der nüchterne Bädeker diese Strecke als den Glanzpunkt der ganzen Eisenbahnfahrt von Wien nach Triest – eine Fahrt, mit der sich doch so wenige Reisen auf anderen Schienenwegen vergleichen lassen ."

Steinbrück bis Markt Tüffer und Umgebung aus der Vogelschau

Auch dem letzten Satz können wir nur voll und ganz zustimmen und möchten dem eine weitere Empfehlung anschließen: Fahren Sie mit der Südbahn! Auch wenn die direkte Verbindung Wien – Triest gekappt wurde, bis Laibach oder weiter hinauf in den Karst liegt eine wunderschöne Fahrt vor Ihnen – und Sie haben aufgrund der Reisedauer (sechs Stunden Wien – Laibach) genügend Muße, diese auch zu genießen. Die Therme in Tüffer (Laško) bietet übrigens Urlaubspakete inklusive der Bahnfahrt Wien – Tüffer an. 

Wir haben uns dieses Mal aber für das Cabrio entschieden. Die Straße führt parallel zur Südbahn durch das Tal der Sann. Streuobstwiesen, Heuharfen, Kirchen oder Kapellen auf den Hügeln, der grüne Fluss – man kann sich kaum idyllischer auf den nahen Süden einstimmen. Die Idylle wird getrübt, wenn man sich ein wenig in die Geschichte des Landstrichs vertieft. Die eine Geschichte ist mehr im Reich der Sagen angesiedelt. Sie handelt von einem Mädchen, das sich von einem markanten Felsen zwischen Cilli und Tremmersfeld (Tremerje) in den Tod gestürzt haben soll. Wenig überraschend wird der Berg als Jungfernsprung bezeichnet. Die Sage „erzählt eine ähnliche Begebenheit, wie wir sie von Gösting und Pettau in Steiermark und von Osterwitz in Kärnten kennen." Die Moral von der Geschicht ist überall die gleiche: Das Mädchen wählt den Freitod, um der Dummheit der Männer oder deren tugendlosen Absichten zu entkommen. 

Die andere Geschichte ist real und eine jener tragischen Begebenheiten, die am Ende der nationalen Auseinandersetzungen zwischen Deutschsprachigen und Slawen in der Untersteiermark steht. In der idyllischen Hügellandschaft der Koschnitz (Košnica), rechts der Straße zwischen Laisberg (Lisce), Chumberg (Hom) und Slomnik gelegen, fanden 1945 viele deutsche Untersteierer ihr grausames Ende. Aber nicht nur Deutschsprachige wurden hier von den OZNA-Einheiten, dem jugoslawischen Geheimdienst, ermordet. Zu den Opfern des Nachkriegsterrors in Slowenien zählten auch viele dem neuen Regime kritisch gegenüber eingestellte Slowenen und solche, die als potenzielle Gegner der Kommunisten galten wie vermögende slowenische Untersteirer und Krainer.

Foto © Norbert Eisner

Dem Terror der Tito-Leute war jener des NS-Regimes vorausgegangen, das seit 1941 in der Untersteiermark herrschte. Es begann mit der Verhaftung und Deportation von slowenischen Unternehmern, Politikern, Angehörigen der Intelligenz und Priestern. Zwangsarbeit, Zwangsrekrutierung zur Deut­schen Wehrmacht oder gar die Deportation in Konzentrationslager folgten, ebenso die Über­nahme slowenischer Unternehmen und die Vernichtung von Kulturgut. Beamten- und Lehrerposten wurden mit Österreichern und Deutschen besetzt. Die nächsten, die ihre Heimat verlassen mussten, wohnten vor allem zwischen Rann (Brežice), Gurkfeld (Krško) und Lichtenwald (Sevnica) im untersteirisch-unterkrainischen Grenzgebiet. Sie, 36000 an der Zahl, hatten ihre Höfe vor allem für die über elftausend deutschen Gottscheer aus der Krain zu verlassen, die wiederum auf Geheiß Hitlers und Mussolinis nach sechshundert Jahren ihre Heimat verlieren sollten. Die Slowenen aus Rann wurden hauptsächlich in Lager ins Deutsche Reich deportiert. Dieses Schicksal traf auch viele Slowenen aus dem österreichischen Kärnten. Auch sie wurden in Viehwaggons in Lager abtransportiert. Dort wurden sogar Kinder bei medizinischen Experimenten getötet. Von diesen Opfern der Nazis wird in Österreich bis heute kaum gesprochen. 

Die Mehrheit der untersteirischen und krainischen Slowenen durfte in ihrer Heimat bleiben und erhielt die deutsche Staatsbürgerschaft auf Widerruf. Damit verbunden war die Mitgliedschaft in einer NS-Vorfeldorganisation (Steirischer Heimatbund bzw. Kärntner Volksbund). Diese Slowenen wurden ab 1942 auch zur Wehr­macht und zum Reichsarbeitsdienst eingezogen. Die noch Auszusiedelnden wiederum wurden zu einem Arbeitsjahr in untersteirischen Lagern verpflichtet. Diese Gruppe fiel außerdem unter die Bestimmungen der Nürnberger Rassegesetze, was ein Verbot der Verehelichung mit Deutschen, des außerehelichen Verkehrs mit diesen selbst das Kinderkriegen einschloss. Mit dem Erstarken des Partisanenkampfes setzte sich dann eine Spirale der Gewalt in Gang, deren Opfer viele slowenische Zivilisten wurden, die von den Deutschen als Geiseln erschossen wurden. 

Schluss mit den dunklen Geschichten. Wir lesen lieber nach, was unsere Reiseführer über das Sanntal und seine grünen Wälder noch zu berichten haben. (Der Ausdruck ist keinem Hochglanzprospekt entliehen. Kaum eine andere Landschaft kann mit so vielen Grüntönen aufwarten wie die Untersteiermark.) „ Diese Wälder nun, die Bäche, die Berge, die schmalen Seitentäler, aus welchen je nach den Tageszeiten verschiedene Luftströmungen sich gegen das Haupttal senken, und die südliche Lage zu gleicher Zeit stellen eine Landschaft und ein Klima zusammen, welches man für die Sommerszeit als geradezu ideal wird bezeichnen müssen ." Gut, dass unser Auto kein Verdeck hat, so dass wir diese verschiedenen Luftströmungen so richtig genießen können. Wir verspüren Lust, das Auto zu verlassen und über die Wiesen hinauf in die Berge des Sanntales zu wandern, zum Beispiel nach St. Hermagoras (Sv. Mohor, Ort Šmohor). Drei mächtige Linden, der Baum der Slawen, umstehen das Kirchlein – Untersteiermark pur.

Ohne diesen Abstecher ist Tüffer von Cilli aus in nicht viel mehr als zehn Minuten zu erreichen. Wir haben den Eindruck, der Ort am rechten Sannufer musste sich seinen Platz zwischen Fluss und Bergen fast erkämpfen. Der deutsche Namen des Marktes ist auch aus dem Slawischen abgeleitet und bedeutet enges Tal. Das slowenische Laško weist ihn als Lateinerort, also als von den Römern besiedelt, aus. „ Tüffer, so reich an römischen Erinnerungen, ist nun durchaus slavische Ortschaft, natürlich mit der durchaus vorherrschenden deutschen Sprache und Sitte in den höheren Ständen. Nur die Festtage und das Volksleben zeigen, daß man sich im Herzen des steirischen Slovenen-Landes befindet. " Noch bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs bekannte sich ein Teil der Einwohner Tüffers als deutschsprachig bzw. der deutschen Nationalität zugehörig. (Auf das weite definitorische Feld von Umgangssprache, Muttersprache Nationalität etc. kann an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden.) Die Beherrschung der deutschen Sprache war in der Monarchie, vor allem in den gemischtsprachigen Erbländern, Voraussetzung für wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufstieg. Über mehrere Generationen wurden so häufig aus slowenischsprachigen Landbewohnern deutschsprachige Städter, die sich meist nicht nur zur deutschen Umgangssprache, sondern auch zur deutschen Nationalität bekannten. 

Im Lauf des 19. Jahrhunderts kam dieser Prozess zwar nicht zum Erliegen, der Druck zur Assimilierung stieg sogar, vor allem auch in Kärnten, viele Slowenen schlugen aber einen anderen Weg ein. Das Selbstbild der kleinen Volksgruppe hatte sich mit dem europaweiten Wandel der ökonomischen und politischen Verhältnisse und der damit einhergehenden besseren Bildung und der fortschreitenden Entwicklung der slowenischen Sprache und Kultur stark verändert. Sie forderten berechtigterweise die Gleichberechtigung mit ihren deutschsprachigen Landsleuten. Vor dem Gesetz waren alle Bürger Österreichs gleichgestellt. Diskriminierung von Volksgruppen gab es aber trotzdem in vielen Bereichen. Es ging u.a. um die Frage, welche Sprache bei Gericht gesprochen oder in welcher Unterrichtssprache an (höheren) Schulen gelehrt wurde oder wie ein faires, die verschiedenen Volksgruppen eines Kronlandes gleich repräsentierendes Wahlrecht umgesetzt werden könne. (Durch die Einteilung der Wahlkreise oder ein die deutschsprachige Bevölkerung eines Kronlandes begünstigende Wahlordnung für Landtage konnten andere Volksgruppen relativ leicht benachteiligt werden.) 

Bei vielen Deutschsprachigen stießen die Wünsche der Slawen auf Unverständnis. Was jahrhundertelang Geltung hatte, sollte nun auf einmal anders sein? Den Slowenen, der Begriff begann sich erst im Laufe des 19. Jahrhunderts zu etablieren, sprach man eine hinreichende kulturelle Entwicklung ab. Wie könne zum Beispiel mehr in Slowenisch unterrichtet werden, wenn es nicht einmal Schulbücher in slowenischer Sprache gebe etc.? Bei vielen Deutschsprachigen spielten in der Ablehnung der slowenischen Forderungen sicher tief wurzelnde Ressentiments gegenüber den Slawen, den Wendischen, eine Rolle. (Vorurteile und Agitation gab es selbstverständlich auch auf der anderen Seite.) 

Zunehmend schwang aber auch Angst mit, durchaus nachvollziehbare Angst, die Heimat langfristig in einem neuen südslawischen Reich aufgehen zu sehen. Die deutschsprachigen Untersteirer, im Verständnis ihrer Zeit bezeichneten sie sich selbstverständlich als Deutsche, saßen in ihren kleinen Städten wie Marburg, Cilli und Pettau wie in Wagenburgen und achteten wie die Haftelmacher darauf, dass nur ja nicht ein Quäntchen deutschen Einflusses an die Slawen verloren ginge. (Wobei die slowenische Seite mit verschiedenen Aktionen dieser Angst durchaus immer wieder neue Nahrung gab oder es von den Deutschen zumindest so gesehen wurde.) 

Vor allem die sich so bedrängt fühlenden Deutschen schlugen sie wild um sich, damals wenigstens mehr nur mit Worten als den Fäusten. Noch heute wird einem übel beim Lesen von Artikeln der Marburger Zeitung. Welche Exit-Strategie hatten diese deutschen Untersteirer? Mit ihrem Verhalten erreichten sie in ein paar Jahrzehnten genau das, was sie verhindern wollten – die Eingliederung der Untersteiermark in einem südslawischen Staat. Dieser hatte aus den Fehlern der Deutschsprachigen allerdings überhaupt nichts gelernt und so schlug das Pendel in die andere Richtung aus. Eine von vielen vertanen Chancen in Mitteleuropa. 

Vernünftige Leute gab es auch im alten Österreich. Sie saßen immer weniger in den Parteien und den Verwaltungen der Kronländer als in der damals schon höchst kritisch gesehenen Hochbürokratie des Gesamtstaates. (Der josefinische Beamte gehörte damals schon der guten alten Zeit an.) Trotzdem: Das feine Austarieren der nationalen Ansprüche, hinter denen oft wirtschaftliche Interessen standen, perfektionierten einige Sektionschefs, Minister und Statthalter zu einer hohen Kunst, der vielleicht manch karikierendes Element anhaftete, die aber das Funktionieren des Gesamtstaates halbwegs sicherte. Ein wahrhaft plakatives Beispiel dafür ist die Nicht-Benennung des Götzer Staatsbahnhofs. 1906 wurde mit der Wocheinerbahn die neben der Südbahn zweite Verbindung zwischen dem österreichischen Zentralraum und dem Hafen von Triest geschaffen. Die Stadt Görz erhielt mit einem eleganten Jugendstilbau den vielleicht schönsten Bahnhof an der neuen Strecke. Nur konnten sich Italiener und Slowenen nicht auf die Benennung des Bahnhofes einigen. War es auf den Ansichtskarten durchaus üblich, die Stadt mit Görz – Gorizia – Gorica zu benennen, beim Bahnhof war das unmöglich. Und so blieb das Stationsgebäude namenlos – eine wahrhaft österreichische Lösung, oder?

Sonnenuntergang (Foto © Norbert Eisner)

Wir schmunzeln heute über Geschichten wie diese, die alle diesen zugrunde liegende Auseinandersetzung zwischen Zentralismus und Föderalismus ist uns nicht ganz unbekannt, oder? Damals trat das Moment hinzu, dass es mehr als zehn Nationen, auf durchaus verschiedener Entwicklungsstufe, waren, die um ihren Anteil am Staate rangen. Und oft sahen sie leider eben nur ihren Anteil und verloren das Ganze aus den Augen. Vieles, was damals von den Nationen als Fortschritt gefeiert wurde, mag heute anders beurteilt werden. Wir blicken nach Laibach, Hauptstadt von Krain. In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts war die Umgangssprache in der Stadt, insbesondere in den bürgerlichen Kreisen und im Adel, deutsch. (Das Gleiche galt auch für Budapest.) Mit der Entwicklung des slowenischen Nationalbewusstseins änderte sich das zugunsten von Slowenisch. Anastasius Grün, der dem Krainer Adelsgeschlecht der Auersperg entstammte, schrieb dazu: „ Die deutsche Sprache wird hier noch eine gewisse vorübergehende Zeit Bedeutung haben. Dann wird sie diese Funktion verlieren. Und es wird nicht tragischer sein, als der Tod eines Greises ." Der Wandel der lingua franca hatte sich selbstverständlich nicht nur in Politik, Verwaltung und Schule widerzuspiegeln, sondern auch in Dingen wie der zweifachen Benennung (deutsch und slowenisch) der Straßenschilder. Dass die Belange der Toponosmatik (Ortsnamenkunde) keine Nebensächlichkeit sind, wissen wir spätestens seit dem unsäglichen Kärntner Ortstafelkonflikt. Ein paar Jahrzehnte waren die Laibacher Straßenschilder zweisprachig. Die deutsche Bezeichnung wurde dabei immer kleiner, bis sie kurz vor Ende des 19. Jahrhunderts ganz verschwand. Ein Zeichen für die nationale Emanzipation der Slowenen? Heute kann man es anders sehen. Zweisprachigkeit nimmt niemanden etwas weg, sondern gibt jedem etwas dazu. (Außerdem gab es in Laibach bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs eine deutschsprachige Minderheit.) In den offiziellen Ortsverzeichnissen der österreichischen Reichshälfte wie dem von der k.k. statischen Zentralkommission in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts herausgegebenen Gemeindelexikon wurde Laibach selbstverständlich auch mit seinem slowenischen Namen angeführt. Das galt auch für die kleinen Orte Krains und der Untersteiermark. Im Küstenland gab es nicht selten drei offizielle Namen. Und selbst das umkämpfte Marburg taucht im Gemeindelexikon schon zusätzlich mit Maribor auf. Daher ist es Unsinn, vom „ früheren Laibach und heutigen Ljubljana " zu sprechen. Und es widerspricht daher auch nicht der Politika correctness für slowenische, tschechische, ungarische, slowakische etc. Orte die deutschen Namen zu verwenden. Den Tschechen, Slowaken, Ungarn und Slowenen würde es auch nicht einfallen, Wien statt Vídeň, Viedeň, Bécs und Dunaj zu sagen. 

Das Gefühl, zusammen zu gehören, Österreicher zu sein, war in breiten Bevölkerungskreisen Cisleithaniens nicht sehr ausgeprägt. Man war Steirer, Kärntner oder Mährer, später immer mehr Deutscher, Slowene oder Tscheche. Es war mehr ein Neben- als ein Miteinander, das aber gar nicht so schlecht funktionierte. Mochten sich die Hitzköpfe in Reichsrat, Landtagen und Gemeindestuben auch beflegeln, die Herren deutschen Lehrer und slowenischen Pfarrer sowie die Turner in ihren slawischen und deutschen Vereinen auch noch so echauffieren – die Geschäfte liefen gut und geheiratet wurde kreuz und quer. Zu welcher Nationalität sich dann die Kinder aus solchen Verbindungen bekannten, war wieder eine andere Geschichte und manchmal eine durchaus bunte. So konnte sich im Küstenland der eine Bruder als nationalbewusster Slowene und der andere als heißblütiger Italiener präsentieren. Und so sehr mancher Südslawe und viele Italiener sich nach der Zugehörigkeit zu Nationalstaaten sehnten, als die Erfüllung dieses Ziels verwirklicht war, bemerkten nicht Wenige, dass Nationalität nicht das Einzige ist, was Menschen verbindet. Der den Kakaniern anhaftende gemeinsame Stallgeruch, in Jahrhunderten durch gemeinsame Verwaltung, Rechtsprechung und Schulbildung unter dem Dach eines katholischen Reiches erworben, hielt lange und in so manchem, Gutem wie nicht wenig Ambivalentem, bis heute. 

Genug des ernsten historischen Exkurses. An so einem schönen Sommertag wenden wir uns lieber dem Kurleben von einst und jetzt in Laško zu. „ Tüffer, welches genau auf der nämlichen Breite liegt, wie der obere Teil des Lago maggiore und des Comer-Sees, nimmt am Glanze des südlichen Sommerhimmels teil. Es mag uns jene Zeit vergegenwärtigen, in welcher Italien noch vom Schatten breitwipfeliger Wälder bedeckt und von Quellen durchrauscht war. So, wie sich die Ufer der Sann in diesen Waldbergen jetzt gestalten, so hat die klassische Erde ausgeschaut, als sie von den geschichtlichen Menschen noch nicht verwüstet war und als noch Halbgötter in ihren Wäldern und Najaden in ihren Wassern hausten. Dies ist ein Stück Erde, auf welchem sich ein Mann wie Grillparzer, dessen Sinnen in derartigen Umgebungen verweilte, heimisch fühlen mußte. Er besuchte das Tal in jedem Jahre ."

Das Kaiser Franz Josef Bad auf einer alten Aufnahme

Wie es zu Zeiten dieses hohen Besuchs hier wirklich ausgesehen hat, wissen wir nicht, genauso wie die Landschaft Italiens in grauer Vorzeit auf uns gewirkt hätte. Wir begnügen uns mit dem reizenden Eindruck, den das Tal rund um Tüffer heute macht, auch wenn wir es nicht so blumig auszudrücken vermögen wie unser Reisebegleiter: „Es ist hier eine Vermengung von Sommerfrische und Heiterkeit des Südens, wie man sie vielleicht noch auf mancher der Hochflächen in Südtirol, nirgends aber mehr mit der herrlichen Mitgift einer der Erde heiß entspringenden Heilquelle finden kann ." 

Bevor wir diese aufsuchen, blicken wir uns ein wenig im Ort um. Tüffer steht, höchst unüblich für die Untersteiermark, nicht für Wein, sondern Bier. Das Laško mit dem Zlatorog, dem sagenumwobenen Gamsbock mit goldenen Hörnern, als Markenzeichen ziert das Reklameschild fast jedes slowenischen Gasthauses. Die Geschichte von Tüffer und seinem Bier begann 1825, als Franz Geyer in einer kleinen Lebzelterei das erste Tüfferer Steinbier braute. An der Brauerei war später auch die Wiener Creditanstalt beteiligt. 1886 begann Simon Kukec, ein Thermalbier herzustellen, für das er nationale und internationale Preise errang. Wer das Etikett eines Laško unter die Lupe nimmt (wortwörtlich zu verstehen), kann noch die Prämierung auf einer untersteirischen Regionalausstellung entdecken. Das Bier aus Tüffer wurde über Triest bis nach Indien exportiert. Das Unternehmen durchlebte allerdings auch einige Krisen, die bis zu seiner zeitweiligen Stilllegung führten. Heute werden in der riesigen Brauerei in einer Sekunde zehn Flaschen oder Dosen Bier abgefüllt. Der örtliche Tourismusverband bietet Führungen durch die Brauerei an. An Technik und Gerstensaft weniger Interessierten sei ein Besuch des kleinen Ortsmuseums empfohlen. Ein prächtiger Leierkasten spielt Wiener Walzer und alte Fotografien und Ansichtskarten machen den Alltag in einem kakanischen Kurort lebendig. Die Ansichten reizen zu einem Vergleich zwischen dem Gestern und Heute. Beim Kurpark zieht das Heute den Kürzeren. Laut unserem Führer wurde er im Ersten Weltkrieg stark in Mitleidenschaft gezogen, als verwundete österreichisch-ungarische Soldaten im Kurhaus untergebracht waren.

Die Jahrzehnte vor dem Ersten Weltkrieg waren eine gute Zeit für Tüffer. Grund dafür waren die Anbindung an die Südbahn und der damit lukrativ gewordene Bau einer Kuranstalt. „Schon Erzherzog Johann, dem nichts entging, was seinem lieben Steirerlande Nutzen bringen könnte, wurde auf sie aufmerksam und dachte an die Gründung eines Bades." Die Umsetzung ließ allerdings noch auf sich warten: „Da die Quellen jedoch knapp am Flußufer aus dem Schotter hervorsprudelten, solche auch im Flußbette und am linken Ufer der Sann sich überall zeigten, so fürchtete man, bei der Fassung der Quellen auf unübersteigbare Hindernisse zu stoßen und die Verwirklichung der Idee des Erzherzogs blieb ein der Zukunft vorbehaltener frommer Wunsch." Armer Johann. Wie oft wird er bei seinen vielen Reformvorhaben wohl auf Hindernisse gestoßen sein. Das geht doch nicht. Das können wir nicht. Ganz unmöglich, kaiserliche Hoheit. 

Aber mit dem Bau der Südbahn änderte sich viel im untersteirischen Land. Ohne Kalamitäten ging es auch dabei nicht ab. Schon kurz nachdem der erste Zug bis Laibach brauste, zerbröselten die Pfeiler einer der Brücken über die Sann. Man hatte, trotz vieler Warnungen, völlig ungeeignetes Material aus dem Steinbruch oberhalb des Bahnhofs von Tüffer verwendet. Der Neubau der Brücke wurde von Leopold Rödl, „eine genial angelegte Natur", geleitet. Nach dem Bau der Eisenbahnbrücke widmete der Ingenieur sich dem Bad. Man grub und bohrte und fand schließlich den Ursprung der Hauptquellen knapp am Flussufer, ungefähr fünf Meter unter dem Niveau der Sann im Kalkgestein. Am 1. Mai 1854 fand die viel besuchte Eröffnung des Bades statt, ein „glänzendes Volksfest" inklusive. Erzherzog Johann spielte insoweit eine Rolle, als das Bad nach seinem Großneffen, dem damals noch blutjungen Kaiser Franz Josef benannt wurde. 

Tüffer macht heute Werbung damit, dass der Kaiser hier einen mondänen Sommersitz gehabt hätte, was nicht stimmt. Er fehlte auch bei der Eröffnung des Bades. Franz, wie er von den wenigen genannt wurde, die ihn duzen durften, verbrachte Anfang Mai die nicht ganz gelungenen Flitterwochen mit seiner Sisi in Schloss Laxenburg. Vielleicht hätte er lieber nach Tüffer fahren sollen, der Anblick bei Ausstieg aus dem Zug hätte ihn wahrscheinlich sehr gefreut: „ Schon vor der Einfahrt in die Station bemerken wir linkerseits ein hohes, aus Stein erbautes massives Eingangstor mit der Inschrift: Kaiser Franz Joseph-Bad ." 

So richtig auskosten konnte Leopold Rödl seinen Erfolg nicht, denn für den notwendigen weiteren Ausbau des Bades fehlte ihm das Geld. Verschiedene Besitzer folgten dem wackeren Ingenieur. So richtig bergauf ging es mit Tüffer aber erst, als 1882 Theodor Gunkel das Bad erwarb. Dem erfahrenen Touristiker Gunkel gehörte unter anderem auch das Südbahnhotel in Görz. Tüffer wurde unter seiner Führung ein Badeort, der „ mit Fug und Recht unter den ersten Bädern der österreichischen Monarchie erwähnt zu werden verdient. "

Nun sind wir schon neugierig auf das Bad, das „mit seiner Akratotherme von 38,5 Grad gleiche Wirkungen auslöst wie Gastein, Pfäffers, Teplitz".Ob man da bei den Graden ein wenig geschummelt hat? Heute wird die Wassertemperatur mit 32 – 34 Grad Celsius angegeben. Uns ist das gleich, wir kommen gerne ins Zdravilišče Laško, wie das Franz-Josef-Bad Tüffer heute heißt. Das nette Außenbecken verleitet auf einer Reise durch die Untersteiermark zu einem kurzen Sprung ins Nass – und das Heraussteigen macht besonders Freude: „ Eine wohlige Luft empfängt denjenigen, der aus einem heißen Bade herauskommt, angenehmer – ich möchte den Ausdruck gebrauchen, rücksichtsvoller – als der rauhe Hauch der Bergwinde oder der fröstelnde Regentag nordischer Gegenden ." Wo kommen Sie sonst in den Genuss einer rücksichtsvollen Luft? Also, auf nach Tüffer! 

Wie der Name schon vermuten lässt, zdravljenje heißt auf Slowenisch Kur, liegt der Schwerpunkt im Zdravilišče Laško auf der Erhaltung oder Wiederherstellung der Gesundheit, besonders von Wirbelsäule und Gelenken. Familien und Wellnessfreunden sei daher eher das Laško Thermal Spa neben dem Franz-Josef-Bad empfohlen. Die große und gut besuchte Anlage mit ihrer markanten Glaskuppel wartet mit allem auf, was den Erwartungen von Thermenliebhabern entspricht, von einer Wasserfläche mit mehr 2.000 m2 über eine Erlebniswelt für Kinder, ein großes Saunacenter bis zu Ayurveda-Behandlungen und Thai-Massagen. Also nichts Neues, ist man versucht zu sagen. Der Unterschied zu österreichisch-steirischen Thermen ist die landschaftlich meist reizvollere Lage der untersteirischen. So liegt die Therme Tüffer ganz nah am Ufer der grünen Sann, wo bei der Mündung des Retschitzbachs (Potok Rečica) Kaiserquelle, Franzens- und Josefsquelle entspringen. Sie galten als wasser­reichsten des Herzogtums Steiermark.

Die grüne Untersteiermark (Foto © Norbert Eisner)

Radwege entlang des Flusses und viele erneuerte Wanderwege bieten Möglichkeiten zu einer gesunden Freizeitgestaltung abseits von Baden und Saunieren. Besonders reizvoll ist ein Aufstieg auf den spitzen Humberg, dem Wahrzeichen von Tüffer. Vom Gipfel genießt man eine wunderbare Aussicht über die Untersteiermark mit dem Bachern (Pohorje) bis hinüber nach Kärnten zur Koralpe. Der Hum zeichnet sich auch durch eine außerordentlich reiche Flora aus. Hier wachsen Wein, Edelkastanien und Alpenrosen und der seltene Seidelbast. Laut unseren alten Reiseführern gibt es auch ein „ Heiliges Brünnlein " am Fuße des Berges. Vielleicht entdecken Sie es noch. 

Wer es lieber gemütlich hat, findet im alten Markt Tüffer ein hinreichendes gastronomisches Angebot. Das Leben spielt sich am halbkreisförmigen Aškerc-Platz ab. Anton Aškerc war ein katholischer Priester und slowenischer Dichter aus dem benachbarten Römer­bad (Rimske Toplice). Die Sehenswürdigkeiten Tüffers liegen diesem Platz sehr nahe, wie das Stadtschloss der Grafen Vetter von der Lilien mit seinem prächtigen Arkadenhof. Heute ist es das Rathaus von Tüffer. Einen Blick lohnt auch das Schloss der Weichselberger, in dem derzeit die städtische Bibliothek untergebracht ist. Im Kislingerhaus befand sich einst der Weinkeller des Marktes, jetzt wird hier im Museum die bereits erwähnte Ausstellung zur Geschichte von Tüffer gezeigt. Türkeneinfälle, die unvermeidbaren Brand­katastrophen und das goldene Zeitalter des Ortes nach dem Bau der Südbahn und der Gründung der Brauerei werden ebenso dokumentiert wie Fossilienfunde aus den nahen Kohlebergwerken. Diese rückten 2009 wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit als nahe Tüffer ein Massengrab mit hunderten oder gar tausenden Leichen gefunden wurde – Opfer verschiedener Nationalität jenes Terrors, der in den Monaten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in der Untersteiermark wütete und den Nazi-Terror nahtlos abgelöst hatte. 

Die romanische Martinskirche ist die Stadtpfarrkirche von Tüffer. Sie weist stolze neun Barockaltäre und vierzig Heiligenbilder auf. Mehrere Legenden ranken sich um den Bau, in deren Mittelpunkt stehen wieder einmal die Templer. „ Auch an der Kirche zum heil. Martin nennt die Sage den Kopf mit der herabhängenden Zunge und dem Einschnitte über die Stirne mit dem Sterne im Wappen ober dem Weihbrunnenkessel ein Denkmal der Templer ." 

Sehr alt ist der Pfarrhof. Seine ältesten Bauteile stammen aus dem zwölften Jahrhundert. Als Besonderheit sind zwei nebeneinander liegende Tore, von denen eines romanisch und das andere gotisch ist, zu verzeichnen. Hinter den vermauerten Türen soll der Legende nach der Kapitelsaal der Templer gewesen sein. Sicher ist hingegen, dass in den Dreißigerjahren des siebzehnten Jahrhunderts der Priester und Autor des ersten in slowenischer Sprache gedruckten Buches, Primož Trubar, in diesem Pfarrhaus wohnte. 

Von Schloss Tabor oberhalb von Tüffer, lange im Besitz der Grafen von Cilli, genießen wir einen wunderschönen Blick auf das Sanntal. Das Schloss war jahrhundertelang Ruine und wurde von der Brauerei wieder instand gesetzt. Jetzt beherbergt es das sehr gelobte Restaurant Pavus Grad Tabor Laško

Viele Untersteirer und Gäste aus anderen slowenischen Regionen besuchen Tüffer gerne im Juli zum Bier- und Blumenfest. Freunde alten Brauchtums sei eher der Georgitag empfohlen. Am 23. April vertreibt die Tüfferer Jugend den Winter mit dem Grünen Georg. Der Brauch wurde bereits im Band Steiermark des Kronprinzen­werks beschrieben: (Die von Kronprinz Rudolf initiierte und bis zu seinem Freitod maßgeblich mitgestaltete 24-bändige landeskundliche Enzyklopädie Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild ist noch heute eine wahre Fundgrube für alle an altösterreichischen Regionen Interessierten.) „ Der eigentliche Frühlingspatron ist der heilige Georg. An seinem Feste wird das Weidevieh mit frischen Kränzen geschmückt und zieht der ‚grüne Georg' (zeleni Juri) herum. Ein Bursche wird nämlich mit grünen Buchenzweigen oder Blumen umwunden und zieht in Begleitung von einigen Musikanten im Dorfe herum; vor jedem Hause tanzt er und schwingt seinen blumen und bänder­geschmückten Stock, während die Begleiter singen und um Eier und Schmalz bitten. Vor diesem Tage haben die Schlangen kein Gift ". Das mit den Schlangen konnten wir bislang nicht verifizieren; auf unseren Wanderungen rund um Tüffer haben wir erfreulicherweise bislang keine Bekanntschaft mit diesem Reptil gemacht. 

Von einem anderen Brauch wissen unsere alten Reiseführer zu berichten: „ Nichts herrlicher als eine Pfingstnacht in Tüffer, wenn Schuß an Schuß von allen Bergen donnert, alle Glocken der nachbarlichen Kirchen zur seltsamen Harmonie triancen (Zusammenklang von drei Glocken, mit dem Hammer angeschlagen, eine echt notionelle Production) ." Da in Slowenien auf fast jedem Hügel oder Berg eine Kirche oder zumindest eine Kapelle steht – die Behauptung, dass jeder Slowene seine eigene Kirche habe, ist unserer Einschätzung nach nur leicht übertrieben – muss das tatsächlich ein notioneller, sprich nenneswerter, Lärm gewesen sein. 

Aufgrund der bemerkenswerten Zahl an Kirchen auf den slowenischen Bergen, ist auch das Ziel unserer Wanderungen meist eine solche. Selbst bei der Auswahl dieser Wanderungen ist auf unsere alten Reiseführer Verlass: Wir finden die „ köstliche Über­schau des Thales " bei St. Christoph, wo die älteste Orgel Sloweniens gespielt wird und bewundern die pittoreske Lage von Maria Graz, slowenisch Marija Gradec. Graz oder Gradec bedeutet im Slawischen kleine Burg, womit wir nun auch die Herkunft des Namens der steirischen Landeshauptstadt geklärt hätten. Hinter der spätgotischen Kirche steht der Grazhof, ein Schlössl, das jetzt als Wirtshaus und Pension in Verwendung steht.

Die St. Antonskirche in Ober-Retschitz (Foto © Norbert Eisner)

Eine Kirche geht noch? Dann empfehlen wir den Besuch der St. Antonskirche in Ober-Retschitz (Zgornja Rečica). Der im Stile Jože Plečniks errichtete Bau ist Anton Martin Slomšek geweiht. Der Bischof von Lavant ist der einzige slowenische Selige. Während seines Episkopats wurde der Bischofssitz vom kärntnerischen Lavant in das untersteirische Marburg verlegt. Das geschah in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ein paar Jahrzehnte später, 1939, errichtete Janez Valentinčič die Kirche in Ober-Retschitz. Dass der Architekt eng mit Jože Plečnik zusammengearbeitet hat, ist bei der Antoniuskirche schon an Plečniks bevorzugtem Baustoff Beton erkennbar. In Erinnerung bleiben uns besonders die mit Betonkuppeln gedeckten Balkone des Kirchturms. Dem aus Laibach stammenden Otto Wagner-Schüler Plečnik begegnen wir auf unseren slowenischen Reisen sehr oft, nicht nur in der Hauptstadt, der er unter anderem mit den Marktkolonaden, der Drei-Wege-Brücke oder dem Bügeleisenhaus ihr heutiges Gesicht gegeben hat. Wiener Architekturfreunde brauchen allerdings nicht nach Laibach reisen, um eines von Plečniks Werken zu bewundern. Ihnen sei vor allem ein Besuch der Heilig-Geist-Kirche in Wien- Ottakring ans Herz gelegt. 

Kirchen und mitteleuropäische Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts haben jetzt einmal Pause, denn unsere Route folgt der Südbahn in den nächsten Kurort mit großer Tradition, Römerbad (Rimske Toplice): „ In einem reizenden Thale der südlichen Steiermark, an der Eisenbahnlinie Wien-Triest, zwischen Tüffer und Steinbrück, liegt am rechten Ufer der Sann das von der Natur so begünstigte Römerbad, dessen Termen unter allen steirischen Warmbädern unstreitig den ersten Rang einnehmen ." 

Adressen

Gasthaus Francl
3000 Celje, Zagrad 77
Tel: +386 3 492 64 60
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!  

Therme Markt Tüffer:
Hotel Thermana Park Laško
3270 Laško, Zdraviliška cesta 6
Tel: +386 3 734 51 00
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.thermana.si

Hotel Zdravilišče Laško
3270 Laško, Zdraviliška cesta 4
Tel: +386 3 734 51 00
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.thermana.si  

Pavus  Grad Tabor Laško 
3270 Laško, Burg Tabor
Tel: +386 3 620 07 23
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.pavus.si

Literatur

And the winner is … Bad Töplitz
Römerbad (Rimske Toplice): Neuer Glanz im alten Pr...
 

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden
Bereits registriert? Hier einloggen
Gäste
Montag, 20. August 2018

Sicherheitscode (Captcha)

Die beliebtesten Posts...

Warte kurz, während wir den Kalender laden

Neu! Reiseführer Kaposvár

Auf askEnrico gibt es jetzt kostenlos einen Reiseführer für Kaposvár zum Download!

Reiseführer Kaposvár

Hier downloaden: PDF Handy oder PDF Druck

Blogheim.at Logo

Go to top