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Rebula ist nicht gleich Rebula

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Die Brda und der Collio – lange Zeit miteinander verbunden, wurden nach dem Zweiten Weltkrieg ziemlich brutal auseinander dividiert. Mit dem EU-Beitritt von Slowenien wächst die wunderschöne Hügellandschaft wieder zusammen. 

Die Hügellandschaft jenseits und diesseits der Grenze ist bekannt für eine autochthone Rebsorte: Rebula, auch bekannt als Ribolla Giallo (wobei giallo schlicht und einfach gelb heisst) und auch noch unter mehreren anderen Namen, wächst hier wieder in großer Zahl. Bereits sehr früh war das Gebiet für Wein bekannt und auch die Rebula-Traube lässt sich weit in die Vergangenheit zurückverfolgen. Fast hätte auch ihr die Reblaus den Garaus gemacht, doch da wie dort gab es dann doch wieder findige und interessierte Grafen, wie Silverio de Baguer, die die Rebe vor dem Aussterben bewahrten und heute widmen ihre viele kleine und große Winzer besondere Aufmerksamkeit. Die Traube braucht die Hügel, den Mergel um ihre ganze Geschmacksbreite zu entwickeln – in den Hügeln der slowenischen Brda und des italienischen Collio wird sie nun gehegt und gepflegt und weiter entwickelt. Mit hohem manuellen Aufwand, schließlich können die zum Teil steilen Hügeln nicht mit Maschinen wie die Ebene bearbeitet werden. Das bedeutet natürlich mehr Handarbeit und – wen würde es verwundern – höhere Preise.

Die Brda. Viele Winzer bewirtschaften ihr kleines, hügeliges Stück Land

Soweit – so gut. Weinliebhaber neigen dazu, für einen guten Tropfen sogar mehr als angemessene Preise zu bezahlen und auch der Preis eines guten kroatischen Dingač, ebenfalls nur manuell zu ernten, ist nicht gerade als Schnäppchen zu bezeichnen. Aber erstens gönnt man sich ja sonst nichts und gute Arbeit sollte auch belohnt werden. Schließlich erhält man dafür ja auch einen speziellen Wein, den man nicht jeden Tag ins Glas füllt.

Wein ist in der Brda immer dabei

Das gilt auch für die Rebula-Weine, die z.B. in der Vinska Klet – Goriška Brda hergestellt werden und besonders für ihren Schaumwein, den ich als ein ganz speziell feines Vergnügen bezeichnen möchte.

Ein ausgezeichneter Sekt aus der Rebula Traube

Und doch droht dem Hügelland beidseits Gefahr aus der Ebene. Da der Höhepunkt der Prosecco-Welle überschritten scheint, sind viele Winzer der Ebene auf der Suche nach neuen Produktideen und Absatzmärkten: und die Suche führte sie anscheinend zu alten Sorten wie dem Rebula und so wird die Ebene seit einiger Zeit mit tausenden von Rebstöcken der alten Sorte bepflanzt. Auch wenn sogar Wikipedia vermeldet, dass sich die fruchtbaren Böden der Ebene nicht für den Anbau der Sorte eignen.

Hier reift der Rebula heran ...

Doch was wird passieren? Mehr oder zu viel am Markt bedeutet sinkende Preise. Nicht dass ich etwas gegen Wettbewerb und günstige Einkaufsmöglichkeiten hätte, aber hier stehen einfach mehrere Argumente auf der Gegenseite:

- Erstens ist die Bodenbeschaffung eine andere, der Rebula aus der Ebene wird und kann nicht das Geschmackserlebnis des Hügellandes bieten, ihm fehlt die Mineralität und auch das ausgewogene Klima zwischen Alpen und Meer, das den Geschmack eben so typisch und besonders macht.


- Konsumenten, die jedoch nicht wissen, wie die Originaltraube schmeckt, werden sich nur über den höheren Preis mancher Anbieter wundern, aber der Sache nicht weiter nachgehen. Der Preis wird nicht mit der Gegend, dem Boden und auch nicht mit dem Arbeitsaufwand in Verbindung gebracht werden.


- Schon heute wird Rebula als etwas Besonderes gepriesen, alte autochthone Sorten stehen hoch im Kurs und Trend – wer sich auf diese Entwicklung„draufsetzen" kann und billiger produzieren kann, hat große Chancen erfolgreich zu sein. Damit wird allerdings auch die Lebensgrundlage vieler kleiner Winzer (auch wenn sie sich zu Genossenschaften zusammengeschlossen haben) zerstört. Sie haben keine Chance billiger zu produzieren – im Hügelland ist nun mal mehr Handarbeit angesagt, als in der Ebene. Auch das gilt sowohl für italienische wie für slowenische Anbieter.

Eine Auswahl an verschiedenen "Rebulas"...

Daher: schaut genau, woher euer Rebula kommt und unterstützt die Helden der Weinberge.

Tipps für den Besuch von Winzern findet ihr für einige Regionen auf www.ask-enrico.com unter Spezialitäten, wo auch unser Genuss-Spezialist Andreas Hamedinger ab jetzt seinen ganz persönlichen „Wein der Woche" vorstellen wird.

Außerdem findet ihr hier auf enricosreisenotizen.eu bei Josef Wallners Streifzügen durch das Küstenland immer wieder Anregungen, welche Weingüter man besuchen sollte. Lasst euch inspirieren!
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