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So feiert man in Dortmund die Saison-Eröffnung der Oper

Barock bis Broadway wurde während des Eröffnungswochenende gespielt

Ein neuer Intendant, ein neuer Stil: Vergangenes Wochenende wurde mit 2 Premieren und einem Fest (nach dem MusiCircus von John Cage) die neue Spielsaison eingeleitet.

Da kann sich Wien auch noch etwas abschauen: Freitag – Premiere der Aida von Verdi (wir haben berichtet – www.ask-enrico.com), Samstag – MusiCircus nach John Cage in der Dortmunder Innenstadt mit einer großen Abschlussgala von Barock bis Broadway und am Sonntag dann auch noch Premiere von Rossinis Barbier von Sevilla.

Ruhe vor dem Sturm - Blick auf das Rathaus und den Friedensplatz (Foto

Hier soll aber vor allem von den Samstag-Darbietungen die Rede sein.

John Cage – sorry, aber der Name sagte mir eigentlich gar nichts – meiner besseren Hälfte (wie üblich) natürlich schon etwas. Egal: MusiCircus und eine Klangwolke bis zum Opernhaus klingt so gut, da muss man einfach dabei sein, noch dazu wenn die Sonne fast wie im Sommer vom Himmel lacht: also auch auf in die Dortmunder Innenstadt.

Warten auf den Einsatz (Foto © Dagmar Postel)
Warten auf den Einsatz (Foto © Dagmar Postel)

Start 16:00 Uhr am Friedensplatz versprach das Internet. Weiters hatte ich mich auch schon ein wenig über den MusiCircus schlau gemacht. Dabei sollten Leute eingeladen werden, die willens sind, zur gleichen Zeit am gleichen Ort zu spielen. Es gibt keine geschriebene Note, keinen Text, keine Regieanweisung. Alles ist der Phantasie und Kreativität der Mitwirkenden überlassen.

Zuerst wurde am Friedensplatz getrommelt (Foto © Dagmar Postel)
Zuerst wurde am Friedensplatz getrommelt (Foto © Dagmar Postel)

So ganz ohne Regie wollte man dann allerdings die Sache doch nicht durchziehen: immerhin fand man 800 Mitwirkende in 50 Ensembles. Sigune von Osten übernahm die schwierige Aufgabe, für diese Klangwolke mittels einer Zeitpartitur ein klein wenig Ordnung zu geben – was meiner Meinung allerdings leider nicht immer glückte.

Hier hörte man Calypso-Klänge (Foto © Dagmar Postel)
Hier hörte man Calypso-Klänge (Foto © Dagmar Postel)

Doch der Reihe nach. Wir waren also um 16:00 Uhr in bester Stimmung am Friedensplatz, wo ich gleich nicht nur die Friedenssäule in der Mitte des Platzes, sondern auch das wunderschöne Rathaus bewunderte. Vier Kehrmaschinen im leuchtenden Gelb stehen am Platz, vier riesige blaue Fahrzeuge des Technischen Hilfswerk stehen an den Ecken, eine Straßenkehrertruppe ist zu sehen. Um 4 Uhr passiert hier einmal – nichts. Wie wir später erfahren, war der Beginn des Zirkus auch nicht hier, sondern am Westenhellweg, aber Schwamm drüber. Wir interessieren uns in der Zwischenzeit für eine Hochzeit im Rathaus, sehen den Trommelgruppen und den Bläsern beim Aufbau zu und fragen uns, ob man die Instrumente rechts von uns als Alphörner bezeichnen könnte und suchen uns schließlich einen Sitzplatz auf den Stufen vis à vis vom Rathaus, die ich aber doch dann immer wieder zu Fotozwecken verlasse.

Das
Das "Kehrballett" von Dortmund beim MusiCircus vor seinem Auftritt (Foto © Dagmar Postel)

Und dann geht es los: die Trommler vor dem Rathaus bringen sich so richtig in Stellung und das Calypsonic Steel Orchester versucht dagegen anzukämpfen.

Sigune von Osten dirigiert das
Sigune von Osten dirigiert das "Kehrballett" am Friedensplatz (Foto © Dagmar Postel)

Neben uns bringen sich die Alphörner und jede Menge andere Bläser in Stellung. Die Trommler beherrschen eindeutig die Szene, obwohl am anderen Ende des Platzes platziert, ist es auch der Calypso-Band nicht ganz möglich sich durchzusetzen. Die Alphörner und Trompeten hören wir nur, weil wir genau neben ihnen sitzen.

Sind das eigentlich wirklich Alphörner? (Foto © Dagmar Postel)
Sind das eigentlich wirklich Alphörner? (Foto © Dag

Doch plötzlich: Die kleinen gelben Kehrmaschinen beginnen auf dem Platz zu kreisen und dann setzen die Alarmhörner der Fahrzeuge des Technischen Hilfswerks ein, das spült in der Lautstärke auch die stärksten Trommler nieder. Es ist ohrenbetäubend. Bald ist jedoch wieder Stille und das Kehrballett der Straßenkehrer unter der Regie von Sigune von Osten hat seinen Auftritt. Dazwischen versuchte unser kleines Orchester wie so manch andere Band wieder die Oberhand über die Klangwolke zu übernehmen. Auch ein großer Chor ist gerade mit seinen bunten Regenschirmen an uns vorbei in die äußerste Ecke des Platzes gezogen und hat zu singen begonnen. Wirklich?

Dieser Chor erinnerte mit seinen Liedern an Italien (Foto © Dagmar Postel)
Hier wird mit Liedern an Italien erinnert (Foto © Dagmar Postel)

Ich versuche mich ebenso wie eine Gruppe weiß gekleideter Harlekine (?) anzuschleichen – und tatsächlich: Der Chor singt, hat aber keine Chance gegen die Trommler vor dem Rathaus.

Fast könnte man sich ein bisschen fürchten... ( Foto © Dagmar Postel)
Fast könnte man sich ein bisschen fürchten ... (Foto © Dagmar Postel)

Da inzwischen auch die asiatische Ausgabe von Trommeln und Tanz eingetroffen ist, gerät der Chor nun endgültig unter die „Trommel"-Räder. Allerdings ist es diese Truppe, die die Zuseher jetzt mit in den Stadtgarten zieht, der mir auch schon ohne die Musikdarbietungen beim Durchflanieren sehr gefallen hat.
Hier wird gesungen, getanzt und wieder gesungen und getanzt. Ein Reisechor (?) mit Koffern schmettert einen französischen Kanon, es wird zu spanischen Melodien getanzt, die teilweise von philippinischen oder hawaianischen Klängen übertönt werden und nahe beim U- Bahneingang zeigen Aerobicgruppen was sie alles können. Im weiter gehen kann ich gerade noch die letzten Takte und Schritte der „Zeybek"-Kinder des Türkischen Bildungszentrum erhaschen. Dann sind wir wieder bei der Oper angelangt.

Die Trommel-Klangwolke breitet sich in den Stadtpark aus (Foto © Dagmar Postel)
Die Trommel-Klangwo

Am Platz vor der Oper haben inzwischen Street Food Wagen Aufstellung genommen. Für das leibliche Wohl der Zuschauer ist also gesorgt. Auch die Trommler sind bereits hier und bestimmen wieder einmal den Ton. Auch hier versucht der Chor sein bestes und selbst für ein Jugendorchester ist es sehr schwer sich durchzusetzen. Erst als das Trommeln pausiert, kann man ihren Klängen lauschen.

Es geht international im Stadtgarten zu (Foto © Dagmar Postel)
Es geht international im Stadtgarten zu (Foto © Dagmar Postel)

Erwähnenswert sind mir auch noch die Piano Boys, die ebenfalls geschickt Trommelpausen zu nutzen wussten, um sich ins Gehör zu spielen. Es wäre echt schade gewesen, sie nicht gehört zu haben.

Fast wie Bollywood im Stadtgarten (Foto © Dagmar Postel)
Fast wie Bollywood im Stadtgarten (Foto © Dagmar Postel)

Auch in der Oper nehmen immer mehr Gruppen Aufstellung, Instrumente, die ich noch nie zuvor gesehen oder gehört habe, kommen in meinen Blick. Doch im Inneren ist es fast noch schwieriger die einzelnen Klänge wahr zu nehmen. Ich verlasse schließlich das Gitarrenkonzert, auf das ich mich eigentlich sehr gefreut habe, höre leider auch wenig von den Klängen der koreanischen Dassiragi gehört, die mich sehr interessiert hätten und bleibe ein bisschen beim Mandolinen-Orchester hängen.

Die Piano-Boys (Foto © Dagmar Postel)
Die Piano-Boys (Foto © Dagmar Postel)

Immer wieder sehe ich ausgefallene Instrumente: von großen Muscheln bis zu seltsamen Blas-, Zupf und Trommelinstrumenten.

Wer kennt diese Instrumente? (Foto © Dagmar Postel)
Wer kennt diese Instrumente? (Foto © Dagmar Postel)

Dann entdecke ich eine kleine Bühne im Foyer auf der sich die großen und kleinen Elevinnen bemühen, jene Musik aus der Klangwolke herauszuhören, zu der sie tanzen sollen, was ihnen aber bravourös gelingt. Der Gedanke macht sich bei mir breit, dass in Zukunft Mädchen die Männerrollen im Ballett tanzen müssen – kein einziger Junge unter der großen Schar der kleinen bis jugendlichen Tänzerinnen...

Der Nachwuchs tanz schon in der Oper ... (Foto © Dagmar Postel)
Der Nachwuchs tanzt schon in der Oper ... (Foto © Dagmar Postel)

Obwohl ich eigentlich noch einmal den Versuch starten wollte, eine Runde durch Gebäude und Stockwerke zu drehen, lädt bereits die Klingel zur Gala „Barock bis Broadway" in den Zuschauerraum und so lasse ich es sein.

Auch die Kleinsten waren voller Eifer mit dabei (Foto © Dagmar Postel)
Auch die Kleinsten waren voller Eifer mit dabei (Foto © Dagmar Postel)

Eine großartige Idee, der ich aber trotzdem einige Verbesserungswünsche nachschicken möchte:

Grandezza am Vorplatz der Oper (Foto © Dagmar Postel)
Grandezza am Vorplatz der Oper (Foto © Dagmar Postel)

Auch wenn Sigune von Osten betonte, dass in ihrer Zeitpartitur und beim Aufstellen darauf geachtet hat, keinen Chor neben einer Trommelgruppe zu platzieren – das hat trotzdem nicht geklappt. Manchmal schien es fast als gäbe es einen richtigen Wettkampf, wer eben am lautesten und am längsten die Trommel schlägt. Und dies empfand ich unfair den leiseren Tönen gegenüber, die ich aber auch gerne gehört hätte.

Dieses Instrument zaubert wunderschöne Klänge - habe ich auch schon am Karlsplatz bei einem Festival gehört (Foto © Dagmar Postel)
Dieses Instrument zauber

Schade ist es auch, dass es zwar ein Programm mit allen Mitwirkenden gab und auch im Internet eine Liste der Teilnehmer existiert, dass es aber gar nicht so leicht ist, nun herauszufinden wer wer war. Ich habe z.B. doch etwas mühevoll die Gruppe Dassiragi herausgefunden und könnte mir gut vorstellen, von ihnen ein Konzert zu besuchen.

Diese beiden sorgten für interessante Töne (Foto © Dagmar Postel)
Diese beiden sorgten für interessante Töne (Foto © Dagmar Postel)

Schade ist auch, dass ich sicher nicht alle Mitwirkenden gehört habe. So hätte mich das Akkordeon-Orchester sehr interessiert und sicher einige andere auch noch…

Lauter Mädels bei den Tanzaufführungen (Foto © Dagmar Postel)
Lauter Mädels bei den Tanzaufführungen (Foto © Dagmar Postel)

Trotz alledem: es war ein toller musikalischer Klangnachmittag, der mir doch sehr viel Spaß gemacht hat. Hier findet ihr noch einige Eindrücke:

Barock bis Broadway 

Der neue Intendant Heribert Germeshausen macht das nicht schlecht: Zieht mittels Musicircus, die Menschen bis in sein Opernhaus und dann setzt er noch eins am Abend drauf und präsentiert seine neuen und „alten" Stars in einem Programm von Barock bis Broadway, in das er geschickt auch noch einige seiner kommenden Premieren verpackt. Und so konnten wir auch noch ein Programm von Bernstein bis Händel, von Mozart bis Verdi, mit Lehar, Offenbach, Rossini, Porter und noch einem wunderschönen Tango genießen.

Einen Tango konnte man auch im Stadtgarten bewundern (Foto © Dagmar Postel)
Einen Tango konnte man auch im Stadtgarten bewundern (Foto © Dagmar Postel)

Also bei uns in Wien wäre allein schon der Musicircus wahrscheinlich nicht möglich gewesen. Wobei ich mich aber doch immer wieder ertappe zu überlegen, welche Strecke die Klangwolke hier nehmen könnte? Über den Ring vielleicht??? Und was wohl die Wiener zu so einer Klangwolke sagen würden??

Wunderbare Stimme - im Stadtgarten und später in der Lounge21 in der Oper (Foto © Dagmar Postel)
Wunderbare Stimme - im Stadtgarten und später in der Lounge21 in der Oper (Foto © Dagmar Postel)

Der Besuch des Willkommenskonzerts erfolgte auf Einladung der Oper Dortmund. 

Nürnberg – eine Stadt des Genusses
 

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